Psychologische Psychotherapeutin Anne-Christine Mess
Kontakt

3. Was ist Verhaltenstherapie - nicht die Behandlung auf der Couch?

Eine Couch werden Sie als Patientin im Sprechzimmer einer Verhaltenstherapeutin allenfalls als gewöhnliches Sitzmöbel finden, aber üblicherweise nicht, um darauf zu liegen, wie das in der klassischen Behandlungsform der Psychoanalyse nach Sigmund Freud durchgeführt wird.

 Auf erstes Hinhören klingt Verhaltenstherapie vielleicht ein bisschen nach Dressieren von Zirkuspferden, oder man mag an Pawlows Hunde erinnert werden, die beim Ertönen eines Glockentons bereits Speichel absonderten... Nun ist aber die Verhaltenstherapie (VT) eine der sowohl ältesten und bewährtesten als auch immer noch eine hochaktuelle und bei vielen Störungen sehr wirksame Methode der Psychotherapie. Zahlreiche Ergebnisse der wissenschaftlichen Psychologie an Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit werden zur Entwicklung verhaltenstherapeutischer Methoden verwendet. So ist die VT inzwischen zu einem zentralen Bereich der Klinischen Psychologie geworden, die vielen Patientinnen mit verschiedenen psychischen Problemen helfen konnte.

 Der Begriff "Verhaltens"-Therapie löst verständlicherweise zunächst bisweilen Verwirrung aus, da er zu der Fehlannahme führen kann, es würde sich um die oberflächliche Behandlung des menschlichen Verhaltens handeln, bei der die Ursachen oder die "Wurzel" der Störung vernachlässigt würden. Wir Menschen sind nun einmal viel komplexer als jeder Automat, in den man oben eine Münze hineinwirft, um dann unten z.B. einen Kaffee herauszunehmen. Hieraus ergibt sich, dass die VT in Übereinstimmung mit der wissenschaftlichen Psychologie davon ausgeht, dass man unter menschlichem Verhalten das ständige Zusammenspiel folgender Ebenen in konkreten Lebenslagen versteht:

  1. körperliche Ebene,
  2. gedankliche oder kognitive Ebene,
  3. emotionale Ebene,
  4. motorische oder Verhaltensebene.

In diesem Modell werden mehrere Ebenen des Verhaltens und deren Wechselbeziehungen beleuchtet. Die biografischen (lebensgeschichtlichen) Bedingungen sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie die aktuelle Lebenssituation. Die Therapeutin sollte dieser Komplexität menschlichen Verhaltens und psychischer Störungen gerecht werden.

 Verhaltenstherapie ist auf den einzelnen Menschen ausgerichtet, da jeder Mensch eine ganz persönliche Lebensgeschichte mitbringt, sowohl unterschiedliche Fähigkeiten und Stärken als auch Grenzen und Schwächen hat und jeweils individuellen Umwelteinflüssen ausgesetzt ist. Es gibt kein routinemässiges, mechanisches Vorgehen in der VT. Vielmehr geht die VT schrittweise vor, sie ist für die Patientin somit transparent (durchschaubar) und nachvollziehbar, zudem aktiviert sie die Patientin und vermittelt ihr "Werkzeuge" zur Bearbeitung aktueller Probleme. Darüber hinaus soll die Problemlösefähigkeit der Patientin auch für mögliche spätere Probleme dahingehend erweitert werden, dass diese dann leichter und eben ohne therapeutische Hilfe gelöst werden können.

 Die seriöse VT respektiert die Eigenart des Menschen und den Grundsatz, dass keine Psychotherapie zu einem Experiment mit Menschen werden darf. Es dürfen nur Methoden angewandt werden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft ist. Sie folgt dem Prinzip des minimalen Eingriffs, das besagt, dass in das Leben und die Persönlichkeit nur so weit eingegriffen werden darf, wie es unbedingt nötig ist, um den Menschen von seelischen Krankheiten und Störungen zu befreien. Diese Interventionen werden mit der Patientin besprochen und nicht gegen ihren Willen durchgeführt.